• Big Jim

    Acryl auf Leinwand, 2011, 80 x 140 cm, € 5.900,00 

  • Carwash

    Acryl auf Leinwand, 2011, 140 x 140 cm, € 6.900,00

  • Plasticfight

    Acryl auf Leinwand, 2011, 140 x 140 cm, € 6.900,00

  • Sitcom Laugther

    Acryl auf Leinwand, 2010, 180 x 160 cm, (Photo by Amy Stein/USA)

  • It´s about a photo

    Acryl auf Leinwand, 300 x 180 cm (Photo by Bay Ismoyo/AFP/Jakarta)

Markus Rösner

„LoveToys“ - Markus Rösner (2011)

Big Jim im Klammergriff, ein Spritzguss-Auto bei der Maniküre  und eine Tüte Soldaten ohne Fallschirm im freien Flug ins Nichts. Schwarz, Rot, Weiß, die Farben der Revolution, und ein Maßstab, der schonungslos jedes Detail sichtbar macht. Die Bildgegenstände heben sich dabei klar vom Hintergrund ab: Das ist Malerei die man anfassen möchte!

Die fotorealistischen Bilder von Markus Rösner zoomen mit einem Weichzeichner in die Welt dieser Objekte und erinnert an langweilige Sonntage in einer Zeit ohne Nintendo DS. Elementares Jungen-Spielzeug mit dem Versprechen, dass der Mann noch ein Mann ist und Autos einen Rallye-Streifen brauchen. Dieser phantasievollen Reise zu alten, aber teils immer noch gültigen Rollenklischees könnte man sich gerne hingeben. Wären da nicht diese lackierten Frauenfinger, die die Szenerie fest in ihrem Griff halten. Sie geben den Verweis auf das, was es scheint: liebevoll gedemütigtes Spielzeug, das eigentlich nicht in diese Hände gehört. Hier beginnt der Toy Story-Mythos. Wer ist diese Frau? Erwacht das Spielzeug zum Leben sobald sie es aus den Händen legt? Lauert Buzz Lightyear an der Ecke, um seinen Freunden im nächsten Bild zur Hilfe zu eilen? Vermutlich nicht, auch wenn die gemalten schwarzen Filmstreifen im unteren und oberen Teil der Bilder uns Hoffnung auf eine Toy Story machen. Nein! Es sind Love Toys... Objekte der Begierde; schutzlos den Berührungen, Handlungen und Nagellack-Phantasien der Besitzerin ausgeliefert.

Die späte Rache der kleinen Schwester?

Dies ist eine der möglichen Fragen, die Rösners fotorealistische Malerei aufwirft. Er begibt sich mit seinen Motiven in ein fragiles Gerüst von Rückblick und Gegenwart, von Wahrnehmung und Antizipation, von Kinderglück und Traumatas. Zwar kenne ich das, was ich sehe, aber es deckt sich nicht mit meinen visuellen Erinnerungen oder persönlichen Erfahrungen. Betrachter, realer Raum und Bildraum beginnen zu schwingen. Damit steht Rösner nur bedingt in der Tradition der fotorealistischen Malerei. Er bildet nicht ab. Es geht ihm nicht um eine Überhöhung der Wirklichkeit, mit der wir unsere Wahrnehmung von Realität hinterfragen. Sein Antrieb ist auch nicht die Überwindung der technischen Möglichkeiten von Fotografie.

Rösner inszeniert aus der Sicht der Objekte einen Alptraum. Er wählt einen Ausschnitt, bietet uns klare Details an und verheimlicht dennoch die Anknüpfungspunkte dieser Details. In der Physik nennt man dies das Unschärfeprinzip: je genauer man einen Gegenstand betrachtet und untersucht, desto komplexer werden die Zusammenhänge und die Ausgangsfrage verschwindet in der Fülle der gesammelten Informationen. Am Ende gibt es mehr Fragen als Antworten.

Die angebotene Szene in „Love Toys“ scheint zunächst ebenfalls eindeutig, spielt sich aber in jedem Betrachter individuell ab und verursacht sicherlich gemischte Gefühle. Damit beginnt in Rösners Werk ein neuer Zyklus. Er hat Menschen gemalt, Dokumentarfotos verarbeitet, die Parallelgesellschaft der Vergnügungsparks untersucht und mit einer 9mm-Pistole persönlich auf seine Level-Abbildungen von Ego-Shootern geschossen. Mit „Love Toys“ betritt er das Terrain der Leerstelle. Die Ausschnitte werden kleiner, die Bilder größer und die Situationen werden inszeniert. Die scheinbare Realität bekommt Risse, wirkt zugleich richtig und dennoch falsch. Ironischerweise ist er damit Fotokünstlern wie Thomas Demand oder Jeff Wall näher, als seinen malenden Kollegen. Gemalte Fotokunst oder Malerei nach Fotos? Für Rösner gibt es kein entweder oder. Er verknüpft geschickt die inszenierte Fotografie mit einer obsessiven Malerei, der keine Kamera und kein Photoshop-Filter folgen kann.

Wenn Big Jim nach Feierabend tatsächlich ein Eigenleben führt, sollte er schleunigst aus Rösners Atelier verschwinden... wer weiß was da noch auf ihn zukommt.

(Text: Ben Waltmann)

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